Mobiles Surfen unter Linux
12.10.2008Notebooks rühmen sich gerne damit, mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Möchte man aber unterwegs das Internet nutzen, kann man entweder auf schlecht geschütze WLANs hoffen oder sich nach einer DSL Flat für unterwegs umschauen.
Meine Wahl fiel auf den Surf Stick von O2. Auschlaggebend war die Tatsache, das es sich zum Zeitpunkt des Kaufs um das einzige Angebot mit einer Flatrate handelte. Einmal Flat immer Flat - auf ein ständiges im Auge behalten des Datenvolumens kann ich sehr gut verzichten. Bevor das hier nach Werbung aussieht sei darauf hingewiesen, dass es mittlerweile ähnliche Angebote von fast allen Mobilfunkanbietern auf dem deutschen Markt gibt. Dabei ist die Hardware von einem “UMTS USB Stick“, “web’n'walk stick“, “MC USB Stick” oder wie auch immer ihn die jeweilige Marketingabteilung genannt hat nahezu identisch. Es ist ein HUAWEI E220 hsdpa umts stick. Folglich tun sie sich bezüglich Geschwindigkeit auch nicht viel.
Laut Werbeprospekt ermöglicht mein O2-Stick eine Geschwindigkeit von bis zu 3,6 Mbit/s. Im folgenden einige Meßwerte im Vergleich zu einem 6 Mbit DSL Festnetzanschluss:
3,6 Mbit O2 mobile Stick
Download Speed: 1856 kbps (232 KB/sec transfer rate)
Upload Speed: 340 kbps (42.5 KB/sec transfer rate)
6 Mbit Festnetz DSL
Download Speed: 6507 kbps (813.4 KB/sec transfer rate)
Upload Speed: 590 kbps (73.8 KB/sec transfer rate)
Wie man sieht hat die Zahl wenig zu sagen, der Festnetzanschluss ist deutlich näher an der versprochenen MBit/s-Angabe. Allerdings reichen die Werte des Surfsticks um sich damit ohne größere Einschränkungen durchs Internet zu bewegen, und auch kleinere Downloads bis 200 MB lassen nicht allzulange auf sich warten. Dazu muss man natürllich sagen, dass obige Werte nur eine Stichprobe darstellen und von Ort zu Ort unterschiedlich ausfallen werden. Allgemein hatte ich bisher in Städten keinerlei Verbindungseinschränkungen, im Umland allerdings auch schonmal nostalgische 56 kBit/s.
Installation
Unter Win und Mac sorgt die auf dem Stick untergebrachte Software für eine sehr angenehme Installation. Sie installiert sich ohne Probleme bei der ersten Verbindung mit dem USB-Port.
Unter Linux sieht das Ganze schon etwas schwieriger aus. Auf meine Supportanfrage erhielt ich eine Absage: “Linux wird derzeit leider nicht unterstützt”. Folglich wollte man mir auch nicht das in einigen Foren angepriesene Installationspaket o2_umts.deb zuschicken.
Allen, die auch unter Linux online bleiben wollen, hilft folgende Anleitung (getestet unter Ubuntu):
Zunächst muss das Programm umtsmon (derzeitige Version 0.8) installiert werden. Da es sich leider noch nicht in den Ubuntu-Quellen befindet, geschieht dies “zu Fuß”.
#download mit wget
wget http://dfn.dl.sourceforge.net/sourceforge/umtsmon/umtsmon-0.8.i386.tar.gz
#entpacken
tar xzf umtsmon-0.8.i386.tar.gz
#in den dafür gedachten Programmordner kopieren, z.B. unter Ubuntu /usr/local/bin
sudo mv umtsmon-0.8/umtsmon /usr/local/bin/
#löschen des nicht mehr benötigten Archivs
rm umtsmon-0.8.i386.tar.gz
#starten mit
umtsmon
Sollte das System an dieser Stelle über fehlende Berechtigungen berichten, können diese mit einem Klick auf fix behoben werden.
Wer nun denkt: “Das war’s”, ärgert sich leider über eine Fehlermeldung.
Die Lösung fand ich auf einer Seite über Carrier Internet Settings:
| Carrier | APN | Username | Password | Gateway (Optional) |
| D2 Vodafone | web.vodafone.de | [any] | [any] | DNS: 139.7.30.125, 139.7.30.126 |
| E-Plus | internet.eplus.de | eplus | gprs | DNS: 212.023.97.2, 212.23.97.3 |
| D1 T-Mobile | internet.t-d1.de | td1 | gprs | DNS: 193.254.160.1 |
| Quam | quam.de | quam | quam | |
| O2 (Viag Interkom) | internet | [blank] | [blank] | DNS: 195.182.096.28, 195.182.96.61 |
Um sich bei O2 einzuwählen, muss man den APN “internet” (soviel zu sinnvollen Namespaces
) verwenden, ohne Angabe von Nutzername und Passwort. Obige Tabelle beinhaltet die entsprechenden Angaben für die gängigsten deutschen Mobilfunkanbieter.
Hoffe das hilft jemandem - Viel Spaß beim mobilen Surfen!